Was ist ein Urban Living Lab?

Um für komplexe Herausforderungen der Zukunftsstadt praktikable und nachhaltige Lösungen zu finden, braucht es einen Rahmen, in dem diese Lösungsansätze getestet werden können. Dafür bietet sich das Format des Living Labs an, das am besten mit dem Begriff „Reallabor“ übersetzt werden kann. Um genauer zu sein, ist es ein sogenanntes „Urban Living Lab“ – also ein Living Lab im urbanen Kontext. Die Idee dahinter ist, dass man funktionierende Strategien auf lokaler Ebene entwickelt, die größere Entwicklungen in der Stadtentwicklung beeinflussen können. Das Experiment selbst ist hier die Forschungsmethode. Vor allem Projekte, an denen unterschiedliche Disziplinen beteiligt sind, gewinnen immer mehr an Beliebtheit. Ganz im Sinne der Inter- und Transdisziplinarität versuchen unterschiedliche Forschungsrichtungen zusammenzuarbeiten. Die unterschiedlichen Perspektiven, die hier jeder und jede aus seinem Spezialbereich mitnimmt, sollen eine ganzheitliche Herangehensweise an komplexe Probleme ermöglichen.

Der Entwicklungsprozess

Der Weg des Urban Labs soll ein gemeinsamer Entscheidungsprozess sein, bei dem aktiv gemeinsam mit Stakeholdern auf die Betroffenen zugegangen wird und ihre Wünsche und Bedürfnisse eingearbeitet werden. Über die Entwicklung wird in regelmäßigen Abständen gesprochen und bei Bedarf auch neu justiert. Ein klares Endprodukt gibt es zumeist nicht, dafür soll ein Bewusstsein für faire und nachhaltige Entscheidungsprozesse geschaffen werden. Der Weg ist also hier das Ziel und dieser Weg wird erst im Laufe des Projekts ersichtlich und ist nicht schon zu Projektbeginn vorgefertigt.

Die Vorteile des Urban Lab-Ansatzes

 (vgl. Guidelines for Urban Labs; Maastricht University 2015)

  • Alternative Zukunftsvisionen werden gemeinsam erarbeitet, ohne dass es vorgefertigte Ideen oder Lösungsvorschläge gibt. Dadurch kann die Richtung der Entwicklung immer adaptiert und werden
  • Partizipation und Einfluss von kleineren, am Rande stehenden Akteuren sind möglich und erwünscht. Durch diese partizipative Beteiligung soll eine erhöhte Akzeptanz gegenüber Neuplanungen erreicht werden
  • Sie schaffen die Verbindung zwischen der lokalen Verwaltung und der Gesellschaft durch organisierte Zusammentreffen und Austausch
  • Transparente Führung und organisatorische Strukturen angepasst an die lokalen Verhältnisse zur besseren Nachvollziehbarkeit und Orientierung
  • Zeitlimitierte Experimente sollen durchgeführt werden als Basis für die Gestaltung von langfristigen Beziehung
  • Der Lernfaktor, der durch das Experiment generiert wird, wird maximiert durch die Vielzahl an Akteuren
  • Gemeinsames Schaffen von öffentlichen Werten, die auf faire und transparente Weise von allen Akteuren mitgestaltet werden
  • Betroffene und BenutzerInnen sind der Dreh- und Angelpunkt und werden aktiv in den Prozess eingebunden

Das Living Lab und die Landwirtschaft

Ein Urban Living Lab hat ein potenziell umfangreiches Themenrepertoire in Bezug auf die Stadtplanung. Im Projektkontext, das sich mit nachhaltigen Lösungen zu den Themen Wasser, Energie und Nahrungsproduktion im städtischen Kontext beschäftigt, kommt im Falle Wiens vor allem der stadtnahen landwirtschaftlichen Produktion eine relevante Rolle zu. Die großbetriebliche Gemüseproduktion ist eine Besonderheit Wiens und bietet sowohl in der nachhaltigen Nahrungsmittel-, als auch in der Energieproduktion großes Potenzial für zukünftige Entwicklungen. Der Ansatz, dass landwirtschaftliche Flächengleich zwei dieser 3 großen Bereiche abdecken können, nämlich Energie- und Nahrungsmittelproduktion, macht sie besonders interessant. Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelten wir eine Idee für ein Urban Lab, das genau an dieser Schnittstelle ansetzt.

Projektrahmen

Das lokale Urban Lab „Agrophotovoltaik im Gartenbau“ ist im Rahmen des internationalen Projekts GLOCULL (globally and locally sustainable food-water-energy innovations in urban living labs) entstanden, das mit 6 anderen Universitäten weltweit ausgearbeitet wurde. Mehr zum GlOCULL-Projekt finden Sie hier.

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